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20. Januar 2026

Legal Roadmap 2026: Geopolitische Risiken & Handel: Zwischen Marktöffnung und Protektionismus

Was ändert sich für Unternehmen rechtlich und operativ?

Das Handelsjahr 2026 ist von einer strategischen Zweiteilung geprägt. Während sich das EU-Mercosur-Abkommen nach dem Durchbruch im Januar endlich der Ratifizierungsreife nähert und der EU einen privilegierten Zugang zu einem Markt mit über 260 Millionen Verbrauchern verspricht, bleibt das Handelsverhältnis zu den USA weiter von disruptiven Unsicherheiten geprägt. Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump forciert ihre Agenda unter Berufung auf den Trade Expansion Act von 1962 (Nationale Sicherheit) und den International Emergency Economic Powers Act (IEEPA) von 1977. Juristisch blicken wir gespannt auf den US Supreme Court: Eine richtungsweisende Entscheidung wird 2026 erwartet, wie weit dieses ‚Außenwirtschaftsnotrecht‘ die tarifäre Hoheit des US-Präsidenten ohne Kongresszustimmung tatsächlich legitimiert.

Regulatorisch dominiert Kontinuität im Lichte der Durchsetzung nationaler Sicherheitsinteressen: Gesetze zur Kontrolle ausländischer oder ausländisch finanzierter Investitionen werden weltweit weiter verschärft und aktiv als Instrument souveränitätsgetriebener Interessen eingesetzt. Auch die Foreign Subsidies Regulation (FSR) steht im Juli 2026 vor einem kritischen Kommissions-Review, der zu legislativen Änderungen und verschärften Anmeldeschwellen führen kann. Entwarnung gibt es hingegen beim Lieferkettenrecht: Durch die „Stop-the-clock“-Initiative (Omnibus I) verschiebt sich die Umsetzungsfrist der Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD) auf den 26. Juli 2028. Das bedeutet: Für das Geschäftsjahr 2026 bleibt das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) die alleinige materiell-rechtliche Referenz; der sofortige Systemwechsel zur EU-Richtlinie entfällt.

 

Welche Chancen und/oder Risiken entstehen für Unternehmen?

Chancen liegen in der Diversifizierung: Das Mercosur-Abkommen könnte es ermöglichen, Lieferketten aus geopolitischen Hotspots zumindest teilweise zu lösen, erfordert aber die strikte Einhaltung komplexer Ursprungsregeln. Risiken entstehen operativ durch die definitive Phase des CBAM (Carbon Border Adjustment Mechanism): Die Übergangszeit endet, finanzielle Verpflichtungen für eingebettete Emissionen greifen nun unmittelbar kostenwirksam. Erhebliches Risiko liegt in den US-Zöllen: Bestätigt der Supreme Court die weiten präsidentiellen Befugnisse, bleibt der protektionistische Status quo voraussichtlich bestehen. Kippt das Gericht jedoch die bisherige Praxis, droht regulatorische Not: Die Administration müsste ad hoc neue Rechtsgrundlagen finden, um erhebliche Haushaltslöcher zu vermeiden – ein Schritt, der weitere Marktverwerfungen provozieren könnte.

 

Was sollten Unternehmen jetzt konkret tun?

Wir raten Ihnen, Ihre Strategie in drei Richtungen zu überprüfen:

  1. Handelspositionen steuern: Sichern Sie sich Wettbewerbsvorteile durch künftige Mercosur-Präferenzen, aber simulieren Sie gleichzeitig Szenarien für das US-Geschäft, um finanzielle Puffer für das Fortbestehen der erhöhten US-Zölle vorzuhalten.
  2. Compliance strategisch nutzen: Verstehen Sie die Verschiebung der CSDDD nicht als Stillstand. Nutzen Sie die gewonnene Zeit für eine Qualitätsoffensive: Richten Sie Ihre Governance-Prozesse bereits jetzt antizipierend auf die künftigen CSDDD-Standards aus – mit dem Ziel langfristiger, globaler Rechtssicherheit.
  3. Transaktionen schützen: Unterziehen Sie Ihre M&A-Pipeline rechtzeitig vor Juli 2026 einem FDI- und FSR-Check, um Verzögerungen durch mögliche Verschärfungen im Review-Prozess und angepasste Anmeldeschwellen zu vermeiden.

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