
20. Januar 2026
Legal Roadmap 2026: Verteidigungsindustrie
Die Verteidigungsindustrie steht vor einem Paradigmenwechsel: Neue Strategien und EU-Initiativen schaffen Chancen für Wachstum und Kooperation – gleichzeitig steigen die regulatorischen Anforderungen.
Was müssen Unternehmen jetzt beachten?
Die geopolitische Lage und die sogenannte „Zeitenwende“ haben grundlegende Veränderungen im Verteidigungssektor einschließlich seines Rechtsrahmens eingeleitet. Mit der neuen Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie-Strategie in Deutschland sowie EU-Initiativen wie ReArm Europe und der „European Defence Industrial Strategy“ werden Unternehmen der Verteidigungsindustrie oder solche die in diesen Bereich expandieren wollen, stärker finanziell gefördert. Die Umsetzung erster Maßnahmen des Defence Readiness Omnibus ab 2026 reduziert zudem bürokratische Hürden bei Verteidigungsbeschaffungen und ermöglicht beschleunigte Verfahren für sicherheitsrelevante Projekte. Andererseits verschärfen sich 2026 die regulatorischen Anforderungen, insbesondere für Dual-Use-Produkte. So hat die EU kürzlich ihre Ausfuhrkontrolllisten um Schlüsseltechnologien wie KI, Halbleiter und Quantentechnologie erweitert. In Deutschland ist die NIS2-Richtlinie umgesetzt worden: Unternehmen, die als „wesentlich“ oder „wichtig“ gelten, müssen Cybersecurity-Standards organisatorisch verankern.
Welche Chancen und/oder Risiken entstehen für Unternehmen?
Milliardeninvestitionen in Verteidigung und EU-Förderprogramme wie SAFE und der European Defence Fund (EDF) bieten attraktive Fördermöglichkeiten für Dual-Use-Innovationen, insbesondere in den Bereichen Maschinenbau, Elektronik, Automotive oder IT. Wer frühzeitig regulatorische und technologische Anforderungen umsetzt, sichert sich Zugang zu Ausschreibungen und Förderprogrammen. Die Reduktion bürokratischer Hürden erleichtert die Teilnahme an öffentlichen Ausschreibungen. Risiken bestehen in der hohen regulatorischen Komplexität: Strenge Anforderungen gelten bei Ausfuhrkontrollen, Investitionsprüfungen und Cyber-Audits. Verstöße können zu Bußgeldern und Ausschlüssen von Ausschreibungen.
Was sollten Unternehmen jetzt konkret tun?
Compliance- und Governance-Strukturen sind an die regulatorischen Anforderungen anzupassen. Dazu gehört die Implementierung robuster Ausfuhrkontrollprozesse sowie die Erfüllung der Cybersecurity-Vorgaben nach NIS2. Die sich durch SAFE-Darlehen und EDF-Förderrunden bietenden Förderchancen sollten aktiv genutzt werden. Ebenso wichtig ist der Aufbau belastbarer Partnerschaften und Konsortien, insbesondere mit Unternehmen in der Verteidigungsindustrie, für den Zugang zu EU-Projekten. Schließlich hilft ein aktiver Austausch mit Behörden und Förderstellen, regulatorische Risiken zu minimieren und die Marktposition zu stärken. Wer frühzeitig handelt, verschafft sich Wettbewerbsvorteile; Untätigkeit kann zum Ausschluss von Programmen und sicherheitsrelevanten Märkten führen.


